„Gerade Deutschland sollte zudem nicht an der Spitze jener Staaten stehen, die vor allem Einsparungen fordern. Es sollte vielmehr bereit sein, einen höheren finanziellen Beitrag zu leisten, diesen aber an konkrete institutionelle Reformen knüpfen. Mehr Geld und mehr Handlungsfähigkeit müssen zusammen gedacht werden.
Dazu gehört insbesondere die Aktivierung der Passerelle-Klauseln der EU-Verträge. Europa kann es sich nicht länger leisten, in zentralen Zukunftsfragen durch nationale Vetos blockiert zu werden. Vor allem in der Außen- und der Steuerpolitik sollte der Übergang von der Einstimmigkeit zu qualifizierten Mehrheitsentscheidungen eingeleitet werden.
Deutschland verfügt über das politische und wirtschaftliche Gewicht, eine solche Reformagenda voranzutreiben. Wer von den europäischen Partnern mehr Effizienz verlangt, muss zugleich bereit sein, die institutionellen Voraussetzungen dafür zu schaffen.
Ein stärkeres, handlungsfähigeres Europa gibt es nicht zum Nulltarif. Zugleich darf zusätzliches Geld nicht in Strukturen fließen, die Reformen verhindern. Der richtige Weg lautet deshalb: mehr europäische Investitionen gegen mehr europäische Handlungsfähigkeit.
Deutschland verdankt Frieden, Freiheit, Wohlstand und Wiedervereinigung der europäischen Einigung und seiner festen Verankerung im Westen. Wer Europa finanziell schwächt, gefährdet letztlich auch die Grundlagen deutscher Sicherheit und Staatlichkeit. Die Bundesregierung sollte deshalb nicht für ein kleineres Europa werben, sondern für ein reformiertes und stärkeres Europa.“